Wie Lernen in kurzen Einheiten funktioniert
Weiterbildung verändert sich. Neben klassischen Tagesseminaren setzen Unternehmen zunehmend auf Learning Journeys, Learning Nuggets und Microlearning. Statt ein Thema an einem einzigen Trainingstag zu bearbeiten, wird das Lernen dabei auf mehrere kurze Einheiten über einen längeren Zeitraum verteilt.
Das klingt zunächst nach einer einfachen Veränderung des Zeitplans. Tatsächlich steckt dahinter aber ein anderes Lernprinzip: Lernen und Anwenden wechseln sich ab. Die Teilnehmenden erhalten einen Impuls, probieren das Gelernte im Arbeitsalltag aus und bringen ihre Erfahrungen in die nächste Session ein.
Doch bedeutet das, dass das klassische Tagesseminar ausgedient hat? Nein. Beide Formate haben ihre Stärken – und ihre Grenzen. Entscheidend ist, was gelernt werden soll, wie viel Zeit zur Verfügung steht und wie wichtig der Transfer in den Arbeitsalltag ist.
Was ist eine Learning Journey?
Eine Learning Journey, auf Deutsch häufig auch Lernreise genannt, verteilt das Lernen auf mehrere Etappen. Anstatt beispielsweise acht Stunden an einem Tag zu trainieren, treffen sich die Teilnehmenden über mehrere Wochen zu kürzeren Sessions.
Eine Learning Journey besteht dabei nicht einfach aus einem zerstückelten Tagesseminar. Die einzelnen Einheiten sollten didaktisch aufeinander aufbauen und auf ein gemeinsames Lernziel einzahlen. Zwischen den Sessions entsteht bewusst Zeit für Anwendung, Reflexion und Vertiefung. Auch aktuelle Beschreibungen aus der Personalentwicklung verstehen Learning Journeys als Lernwege, die Wissenserwerb, praktische Anwendung und Reflexion miteinander verbinden.
Ein Beispiel: In einer Learning Journey zum Creative Problem Solving lernen die Teilnehmenden in einer ersten Session, Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Anschließend wenden sie die Techniken auf eine reale Herausforderung aus ihrem Arbeitsalltag an. In der nächsten Session werden die Erfahrungen ausgewertet und weitere Methoden eingeführt.
So entsteht ein Lernprozess über mehrere Wochen.
Was sind Learning Nuggets?
Der Begriff Learning Nugget wird nicht ganz einheitlich verwendet. Meist bezeichnet er eine kurze, fokussierte Lerneinheit, die sich auf ein klar umrissenes Thema konzentriert. Das können beispielsweise ein kurzes Video, eine Übung, ein Quiz, ein Arbeitsblatt oder ein digitaler Lernimpuls sein.
Learning Nuggets werden häufig mit Microlearning gleichgesetzt. Im engeren wissenschaftlichen Verständnis sind Microlearning-Einheiten allerdings meist deutlich kürzer als eine moderierte Trainingssession von 60 oder 90 Minuten. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit beschreibt Microlearning als kurze, zielgerichtete und handlungsorientierte Lerninhalte, die teilweise nur wenige Minuten dauern.
Deshalb ist eine begriffliche Unterscheidung sinnvoll:
Learning Journey = der gesamte Lernweg über mehrere Wochen
Learning Nugget = eine kompakte Lerneinheit innerhalb dieses Weges
Microlearning = Lernen mit besonders kleinen und fokussierten Lernbausteinen
In einer Learning Journey können diese Elemente miteinander kombiniert werden. Eine 60-minütige Live-Session kann beispielsweise durch ein fünfminütiges Video, eine kleine Transferaufgabe oder einen kurzen digitalen Lernimpuls ergänzt werden.
Learning Journey oder Tagesseminar – was ist besser?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Eine Learning Journey ist nicht automatisch besser als ein Tagesseminar – und ein Tagesseminar nicht automatisch intensiver oder nachhaltiger.
Beide Formate lösen unterschiedliche Probleme.
Vorteile einer Learning Journey
Der größte Vorteil liegt in der Verbindung von Lernen und Arbeiten. Zwischen den einzelnen Sessions können die Teilnehmenden neue Methoden direkt ausprobieren. Was funktioniert hat – und was nicht –, wird anschließend gemeinsam reflektiert.
Außerdem lassen sich kürzere Einheiten oft leichter in einen vollen Arbeitskalender integrieren als ein kompletter Seminartag.
Ein weiterer Vorteil ist die Wiederholung. Die Teilnehmenden beschäftigen sich nicht nur einmal mit einem Thema, sondern mehrfach über einen längeren Zeitraum. Forschung zu Microlearning zeigt insgesamt positive Effekte auf verschiedene Lernergebnisse, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass Gestaltung, Lernziel und Kontext entscheidend sind.
Learning Journeys eignen sich deshalb besonders für Kompetenzen, die nicht nur verstanden, sondern im Alltag eingeübt werden sollen.
Nachteile einer Learning Journey
Die Verteilung über mehrere Wochen hat auch ihren Preis: Sie verlangt mehr organisatorische Disziplin.
Mehrere Termine müssen koordiniert werden. Teilnehmende können einzelne Sessions verpassen. Zwischen zwei Einheiten kann das Tagesgeschäft die Transferaufgaben verdrängen. Und wenn Führungskräfte oder Organisation den Lernprozess nicht unterstützen, kann eine gut konzipierte Learning Journey an Wirkung verlieren. Genau diese Einbettung in den Arbeitsalltag wird auch in der aktuellen Diskussion um Learning Journeys als kritischer Erfolgsfaktor hervorgehoben.
Hinzu kommt: Nicht jedes Thema braucht mehrere Wochen.
Manchmal ist ein konzentrierter Tag schlicht effizienter.
Was spricht für ein klassisches Tagesseminar?
Ein Tagesseminar oder Intensivtraining schafft etwas, das im normalen Arbeitsalltag zunehmend selten geworden ist: einen längeren Zeitraum, in dem sich eine Gruppe ohne ständige Unterbrechungen intensiv mit einem Thema auseinandersetzt.
Komplexe Zusammenhänge können am Stück bearbeitet werden. Diskussionen dürfen länger dauern. Übungen können unmittelbar aufeinander aufbauen. Und eine Gruppe kann gemeinsam in einen Lernprozess eintauchen.
Das eignet sich beispielsweise dann, wenn ein Team gemeinsam an einem neuen Thema arbeiten soll, wenn intensive Übungen notwendig sind oder wenn Teilnehmende bewusst Abstand vom Tagesgeschäft brauchen.
Auch organisatorisch kann ein Tagesseminar einfacher sein: ein Termin, ein Training, abgeschlossen.
Seine Schwäche liegt auf der anderen Seite genau darin. Nach dem Training beginnt wieder der Alltag. Ohne Transferaufgaben, Wiederholung oder Follow-up besteht das Risiko, dass gute Vorsätze schnell von dringenden Aufgaben verdrängt werden.
Deshalb lautet die bessere Frage nicht „Learning Journey oder Tagesseminar?“, sondern:
Welches Lernformat passt am besten zum Lernziel und zur Arbeitssituation der Teilnehmenden
Wie viele Learning Nuggets sind sinnvoll?
Auch dafür gibt es keine magische Zahl.
Für eine Learning Journey im Unternehmenskontext können beispielsweise drei bis fünf moderierte Sessions sinnvoll sein. Entscheidend ist weniger die Anzahl als eine klare Dramaturgie: Jede Einheit sollte einen eigenen Schwerpunkt haben und gleichzeitig auf die vorherige Session aufbauen.
Zwischen den Sessions können zusätzliche Microlearning-Elemente eingesetzt werden: kurze Videos, Reflexionsfragen, Checklisten, kleine Übungen oder konkrete Transferaufgaben.
Eine mögliche Struktur könnte so aussehen:
Session 1: Verstehen und ausprobieren
→ Transferaufgabe im Arbeitsalltag
Session 2: Erfahrungen reflektieren und vertiefen
→ nächste Anwendung
Session 3: weitere Methoden kennenlernen und anwenden
→ Transfer
Session 4: Erfahrungen zusammenführen und Umsetzung sichern
Wichtig ist dabei: Aus einem achtstündigen Training sollten nicht einfach acht einstündige Videokonferenzen werden. Eine gute Learning Journey benötigt eine eigene didaktische Architektur.
Wann eignet sich welches Lernformat?
Eine Learning Journey bietet sich besonders an, wenn Verhaltensänderung, Kompetenzaufbau und Anwendung im Arbeitsalltag im Vordergrund stehen. Dazu gehören beispielsweise Kreativität, Problemlösung, Moderation, Führung oder der Umgang mit Komplexität.
Ein Tagesseminar kann die bessere Wahl sein, wenn eine Gruppe konzentriert in ein Thema einsteigen, intensiv miteinander arbeiten oder in kurzer Zeit ein gemeinsames Verständnis entwickeln soll.
Und manchmal ist die beste Lösung eine Kombination: ein intensiver gemeinsamer Trainingstag, gefolgt von kurzen Learning Nuggets oder Microlearning-Impulsen, die das Gelernte wieder aufgreifen und den Transfer unterstützen.
Es muss also kein Entweder-oder sein.
Wie sieht eine Learning Journey bei Denkmotor aus?
Bei Denkmotor bieten wir unsere In-house-Trainings sowohl als Learning Journey als auch als kompaktes Intensivtraining an.
Bei einer Learning Journey verteilen sich mehrere kompakte Sessions von typischerweise 60 bis 90 Minuten über mehrere Wochen. Zwischen den Sessions wenden die Teilnehmenden Methoden und Werkzeuge direkt im Arbeitsalltag an. Erfahrungen und offene Fragen fließen anschließend in die nächste Einheit ein.
So kann beispielsweise eine Learning Journey zu Creative Problem Solving Schritt für Schritt von der richtigen Problemstellung über die Ideenentwicklung bis zur Bewertung und Umsetzung von Lösungen führen.
Bei Simplicity können sich die einzelnen Einheiten mit unterschiedlichen Dimensionen von Komplexität beschäftigen – beispielsweise mit Produkten und Dienstleistungen, Prozessen und Zusammenarbeit sowie verständlicher Kommunikation.
Ergänzend können kleine Übungen und Microlearning-Elemente als Learning Nuggets zwischen den moderierten Sessions eingesetzt werden.
Wer dagegen lieber intensiv und konzentriert arbeitet, kann viele unserer Trainings weiterhin an einem Tag durchführen.
In Kürze
Eine Learning Journey verteilt den Lernprozess auf mehrere Etappen und verbindet Lernen, Anwendung und Reflexion. Learning Nuggets und Microlearning können diesen Lernweg durch kurze, fokussierte Lernimpulse ergänzen. Das klassische Tagesseminar bietet dagegen mehr Raum für konzentriertes Arbeiten und intensive gemeinsame Lernerfahrungen. Welches Format besser geeignet ist, hängt vom Lernziel, den Teilnehmenden und dem organisatorischen Kontext ab.
Häufige Fragen zu Learning Journeys
Was ist eine Learning Journey?
Eine Learning Journey ist ein Lernformat, bei dem sich mehrere Lerneinheiten über einen längeren Zeitraum verteilen. Zwischen den Sessions wenden die Teilnehmenden das Gelernte im Arbeitsalltag an und bringen ihre Erfahrungen in die nächste Einheit ein.
Was ist der Unterschied zwischen Learning Journey und Learning Nuggets?
Die Learning Journey bezeichnet den gesamten Lernprozess über mehrere Etappen. Learning Nuggets sind einzelne, kompakte Lerneinheiten innerhalb dieser Lernreise, zum Beispiel kurze Inputs, Übungen, Videos oder Transferaufgaben.
Was ist der Unterschied zwischen Microlearning und Learning Nuggets?
Die Begriffe werden häufig ähnlich verwendet. Microlearning bezeichnet das Lernen in sehr kleinen, fokussierten Einheiten. Learning Nuggets sind solche kompakten Lernbausteine und können beispielsweise als Ergänzung innerhalb einer Learning Journey eingesetzt werden.
Was ist besser: Learning Journey oder Tagesseminar?
Keines der beiden Formate ist grundsätzlich besser. Eine Learning Journey eignet sich besonders, wenn Lernen, Anwendung und Reflexion über einen längeren Zeitraum miteinander verbunden werden sollen. Ein Tagesseminar bietet dagegen mehr Raum, um sich intensiv und ohne längere Unterbrechungen mit einem Thema auseinanderzusetzen.

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